Über Dösebüttel

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Dösebüttel liegt irgendwo in Schleswig-Holstein zwischen Marsch und Geest. Hamburg ist immerhin noch so nah, dass es in Dösebüttel Menschen gibt, die schon einmal dort waren. Die genaue Lage ist auf keinen Karten verzeichnet, aber volkstümliches Liedgut aus der Region Dösebüttel gibt zumindest einen Hinweis:

Landesstraße 103

 

dort steht ein vergilbtes Ortsschild.

 

Ein Gartenzwerg steht gleich dabei,

 

der prägt das ganze Dorfbild.

 

Kleine Häuser ducken sich

 

hinter akuraten Hecken

 

und ein klein Vergissmeinnicht

 

versucht sich ans Licht zu recken.

 

Nun ja, macht von außen nichts her.

 

Wie sieht es denn drinnen aus?

 

Rosas Kneipe mittendrin,

 

gleich bei der alten Kirche.

 

Dort kriegt das Leben einen Sinn

 

Schnaps und Bier auf Braut und Leiche

 

Opa Willem probt erneut

 

Raketentreibstoff mit Getöse;

 

sonst nur Ruhe Dein Herz erfreut

 

in Dösebüttel an der Döse.

Na also, typisch schleswig-holsteinisches Dorfleben. Mittelpunkt des Dorfes ist die Kirche von Pastorin Maria Gottlieb, die sich um diese Position mit dem Gasthof von Rosa Kröger “Rosas Kneipe” streitet. Rosa und ihre “Köksch” Lisa haben immerhin drei Stammgäste (den Polizisten Hans-Herbert “Herbi” Schlüter, den Postboten Franz Langbehn und Landwirt Jens-Uwe Jensen). Über Stammgäste bei Maria Gottlieb ist nichts bekannt, höchstens ihr Vorgänger, Pastor Gerdsen. Dafür hat sie auch keine Zeit, weil sie sich um die Verlegung des Friedhofes kümmern muss. Wasserführende Lehmschichten im Boden machen die Verstorbenen nachträglich zu Wasserleichen, was nicht so schlimm wäre, wenn das ganze Wasser nicht bei den Nachbarn, der Tierärztin Telse Tuchtenhagen und ihrer Mutter Alma, zutage treten würde.

Interessanterweise verfügt Dösebüttel über ein reges Wirtschaftsleben. Neben der bereits erwähnten Kneipe von Rosa gibt es noch einen Landgasthof, den Imbiss am Markt von Anke Schröder und die Pension Schröder von Hermine und Heinrich Schröder sowie Elke Meiers Heuhotel. Gleich mehrere Vertrauensleute der Itzehoer sorgen für eine überdurchschnittliche Marktsättigung: Jens Jensen, Kurt Eggers und Theo Petersen und für kurze Zeit auch Corinna Martens, bevor die vom Fitnesstrainer Carlos “eingefangen” wurde. Außerdem verkauft auch Benno Schröder, der Sohn der Pensionswirte nebenbei Versicherungen. Auch die Landwirtschaft hat einen bedeutenden Platz in Dösebüttel. Mindestens vier Höfe, die von Kurt Eggers, Jens-Uwe Jensen, Theo Petersen und Elke Meier, sind bekannt. Dösebüttel hat eine Seniorenresidenz “Sonnenhof” und im Ortsteil Döseau gibt es außerdem eine kleine Kurklinik, die jedoch keinen wesentlichen Beitrag zum Steueraufkommen leistet. Über die weitere Infrastruktur ist indes kaum etwas bekannt. Nur kurzzeitig konnte sich ein Motorradgeschäft halten, da die Besitzer des Versicherungsbetruges überführt wurden.

Insgesamt gibt es also durchaus ein ordentliches Gewerbesteueraufkommen. Leider kann Dösebüttel daraus kein Kapital schlagen, da Bürgermeister Ernst-August Piepenmöller mit Geld nicht gerade gut umgehen kann, wie auch sein schlecht laufender Landmaschinenhandel beweist. Immerhin hat er Dösebüttel eine über die Dorfgrenzen hinaus zum Glück nicht bekannt gewordene massiv gemauerte Hundetoilette beschert. Der Gemeinderat bestehend aus Vertretern der Kommunalen Wählervereinigung Dösebüttel von Bürgermeister Piepenmöller und des Dösebütteler Kommunalen Wählervereins von Oppositionsführer und Raiffeisenbank-Filialleiter Friedel Holm ist durch andere Aktionen zunächst jedoch nicht in Erscheinung getreten. Dafür konnte bei der letzten Wahl die Tochter von Friedel Holm, Angela Holm, dem Filz ein Ende bereiten und die Bürgermeistergeschäfte übernehmen. Ob sich die Lage wirklich verbessert hat, ist allerdings nicht bekannt.

In Dösebüttel gibt es ein reges Vereinsleben. Die Freiwillige Feuerwehr, die Dösebütteler Turnerschaft von 1953, der Landfrauenverein Dösebüttel und Dösebüttelermoor, der Ortsverein Dösebüttel des Deutschen Roten Kreuzes und der Häkelbüdelklub “Ein rechts, ein links, ein fallenlassen”, der Damengesangverein “Hohes C” und die “Dösebütteler Theatermäuse” sind nur ein Auszug aus dem vielseitigen Angebot.

Die Hobbys der Dösebütteler sind auf den ersten Blick typisch für norddeutsche Menschen. Allerdings gibt es Indizien für eine Häufung von Aktivitäten, die sich im Graubereich der Legalität bewegen. Wilderei, Betrug gegenüber Privatpersonen, Steuerbehörden und Sozialversicherungsträgern, Waffenlagerung und Irreleitung fremder Autofahrer ins Moor sind offensichtlich nur die Spitze eines sehr tiefen Eisbergs. Es ist zu erwarten, dass auf diesem Gebiet in Zukunft noch einiges an die Oberfläche gelangen wird.

Die Geschichte des Dorfes ist sehr mangelhaft dokumentiert. Lediglich über die Geschichte des vor den Toren liegenden Gutes Dösebüttel der zu Döhlingens ist einiges bekannt. Danach hat vor etwa zweihundert Jahren Graf Friedrich Wilhelm Otto von Döhlingen im heute nicht mehr erhaltenen Schloss Dösebüttel residiert. Er war ein sehr moderner Mensch. Als er alt wurde, wollte er die Amtsgeschäfte vorzeitig abgeben. Deshalb ließ er seine Untertanen darüber abstimmen, welchen der beiden Söhne sie lieber als Grafen haben wollten. Beide Söhne intrigierten heftig gegeneinander, doch die Stimmenauszählung ergab das berühmte “Unentschieden von Dösebüttel”. Beide hatten die gleiche Anzahl von Stimmen erhalten. Daraufhin entschied sich der Graf für die Zweierregentschaft. Er verfügte, dass beide Söhne bis auf Widerruf gemeinsam regieren sollten. Die Regentschaft war ziemlich chaotisch und von Dauerstreit geprägt. Jedenfalls wurde es dem Altgrafen irgendwann zuviel, so dass er seine Entscheidung aufhob und dem Erstgeborenen das Gut und die Regentschaft übertrug. Der Zweitgeborene, aus dessen Linie die Pensionswirtin Hermine Schröder, stammt, sollte einen Teil der Steuereinnahmen erhalten. Das Schloss verschenkte er als Entschuldigung gegenüber seinen Untertanen an das Kloster für einen guten Zweck. Beide Familienzweige verarmten jedoch und liegen bis heute im Dauerstreit.

Diese Geschichte wollte der berühmte Regisseur Gero Hattenbach mit der CINE-Filmgesellschaft zu einem Mehrteiler für das Vorabend-Fernsehprogramm verarbeiten. Leider wartet Dösebüttel bis heute auf den erhofften Ruhm und Tourismusboom. Nachdem die Hauptdarstellerin, die berühmte Diva Gina Popopov für ein Casting in Dösebüttel weilte, weigerte sie sich bis heute standhaft, für die Aufnahmen dorthin zurückzukehren.

Zeugenaussagen nach gab es vor einigen Jahren einen Fernsehsender, der – angeregt durch die Aufführungen der Itzehoer Theater-Kiste – eine Reportage über Dösebüttel an Originalschauplätzen gedreht haben soll. Bisher ist jedoch noch keine Reportage mit diesem Thema gesendet worden. Die Spekulationen reichen von schlichtem Vergessen des Materials über einstweilige Verfügungen des Dösebütteler Amtsgerichtes auf Betreiben diverser Dösebütteler Bürger bis zum spurlosen Verschwinden des zuständigen Redakteurs im Dösebütteler Moor oder in den Weiten Argentiniens.